Kurier
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24.1.2011
Kometgründe
Langer Kampf gegen ein Hochhaus
Bereits seit sieben Jahren stemmt sich eine Gruppe von Anrainern gegen ein großes Bauprojekt in Meidling.
VON JOSEF GEBHARD
Die Aktivisten der Bürgerinitiative gehen für Interesse auf die Strasse

Die Aktivisten der Bürgerinitiative gehen für Interesse auf die Strasse. Seit sieben Jahren halten sie bereits hartnäckig durch.

Es kommen schon immer wieder depressivere Phasen. Doch dann wird eine Idee geboren und die Sache läuft wieder", sagt Margarethe Carney. Die frühere Sozialpädagogin engagiert sich in der Meidlinger Bürgerinitiative Kometgründe. Bereits seit sieben Jahren führt die rund 50 Personen starke Anrainergruppe ihren zähen Kampf gegen die Realisierung eines Hochhausprojekts der Betreiberholding HPD gleich neben dem U-4-Zentrum. 2004 wurden die ersten Pläne des Projekts präsentiert, das damals noch einen 120 Meter - mittlerweile auf 73 Meter gestutzten - hohen Turm beinhaltete. Drei Liegenschaften, die gar nicht zum Verkauf standen, waren dabei gleich initeingeplant. Betroffene Mieter hätten gegen ihren Willen umgesiedelt werden müssen. Neben fehlenden oder frisierten Gutachten und keinerlei Einbindung der Betroffenen nur eine von vielen Merkwürdigkeiten, die die Anrainer auf den Plan riefen. Sie befürchten durch das von der Stadtverwaltung massiv forcierte Bauvorhaben eine Verschandelung ihrer Wohngegend, aber auch deutlich mehr Verkehr.

Unterschriften

Zankapfel Kometgründe: Maragrethe Carney sieht erste Erfolge

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"Begonnen haben wir ganz klassisch mit dem Sammeln von Unterschriften. Dann kamen Bürgerversammlungen und Diskussionsveranstaltungen", erinnert sich Carney, die sich schon gegen die Kraftwerke Hainburg und Zwentendorf engagiert hatte. "Wenn man sich intensiv mit der Angelegenheit beschäftigt, eignet man sich auch bald das nötige Fachwissen an." Mit Familie und Beruf sei das oft nur schwer zu vereinbaren. "Daher sind in Bürgerinitiativen vergleichsweise viele ältere Menschen aktiv." Stolz verweist die BI Kometgründe auf prominente Unterstützer wie den Kabarettisten Roland Düringer oder den Schauspieler Karl Markovics. Sie wurden von der BI-Sprecherin Erika Mottl an Bord geholt, die ihrerseits Schauspielerin ist. "Andere Bürgerinitiativen schmelzen nach so einem langen Zeitraum meist auf eine kleine Gruppe zusammen. Wir haben uns gehalten, weil wir uns laufend um die Leute kümmern", sagt Carney. Dazu gehören etwa die monatlichen Treffen im Café Raimann. Dass das auch von der UNESCO kritisierte Projekt bis heute nicht verwirklicht wurde, sei zumindest zum Teil der Bürgerinitiative zu verdanken, ist Carney überzeugt: "Natürlich kam uns auch die Wirtschaftskrise zugute, doch ohne uns wäre das Bauvorhaben sicher schon viel weiter." Es sei auch gelungen, die Stadt-SPÖ zu sensibilisieren: "Ich glaube schon, dass Planungs-Stadtrat Rudolf Schicker auch deswegen abgesetzt wurde, weil er vielen Bürgerinitiativen gegenüber sehr unverständliche Handlungen gesetzt hat."

Grüne Hoffnung

In Bezug auf die neue rot-grüne Regierung ist Carney vorsichtig optimistisch: "Wir versuchen, bis 2013 durchzuhalten. Dann läuft die 2008 erstellte Flächenwidmung für die Kometgründe aus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie unter einer grünen Regierungsbeteiligung verlängert wird."

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