Wiener Zeitung
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April 2008
Vor neuem Welterbe-Streit in Wien: Icomos macht Druck
„Türme müssen korrigiert werden"
  • Kritischer Bericht von Unesco-Beirat
  • Änderungen bei Hauptbahnhof und Komet-Turm verlangt.
Von Christian Mayr

Wien - Rund fünf Jahre nach dem Streit um Wien Mitte bahnt sich in Wien erneut eine Welterbe-Diskussion an: In einem der „Wiener Zeitung" vorliegenden, noch unveröffentlichten Jahresbericht des Unesco-Denkmalrates Icomos findet sich Wien auf der Liste der gefährdeten Welterbe-Stätten („Heritage at Risk") wieder; darin wird die Stadt von lcomos Präsident Michael Petzet scharf attackiert und zur Redimensionierung der geplanten Hauptbahnhof-Türme unweit des Belvedere aufgefordert.

Obwohl es beim Hauptbahnhof 2006 Planänderungen gegeben hätte, seien diese "nicht ausreichend, um eine Verträglichkeit mit dem Welterbe zu gewährleisten". Petzet ist der Ansicht, dass die geplanten elf Türme (der höchste 100 Meter) die "visuelle Intaktheit des Belvedere Schlosses und -Parks zerstören würden". Daher die dringende Aufforderung: "Die Höhen des Hochhau-Clusters müssen erneut überprüft und korrigiert werden."

Zudem kritisiert Petzet die Stadt Wien, deren bisherige Prüfungen die Auswirkungen des Großprojekts „total unterdrücken" würden: So seien etwa Visualisierungen von Sichtachsen nur an zwei Punkten gemacht worden, wo augenscheinlich keine Beeinträchtigung gegeben sei, jedoch seien weder mögliche Störungen an seitlichen Perspektiven untersucht worden, noch die Sichtachsen vom südlichen Belvedere-Park beim Gürtel aus.

„Wien rücksichtslos"

Petzet abschließend: ,Angesichts der Tatsache, dass Wien schon mehrmals rücksichtslose Projekte neben Welterbe-Zonen forciert hat, besteht in diesem alarmierenden Fall nun höchste Gefahr." Daher sollte wie bei Wien-Mitte und dem Kuomet-Turm eine Icomos-Kommission die Sachlage prüfen.

Nicht in dem Bericht enthalten ist das Komet-Projekt nahe Schönbrunn - hierzu gibt es jedoch ein Petzet-Gutachten für die Unesco; Darin kritisiert er die nachträgliche Erhöhung von 60 auf 73 Meter und das Fehlen einer detaillierten Sichtachsen-Analyse. Dem Rathaus - namentlich Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SPÖ) - wirft er vor, Hochhauspläne mit großer Sturheit zu verfolgen und „keinen Respekt vor dem Weltkulturerbe" zu zeigen. Daher verlangt der Icomos-Chef, Druck auf Wien auszuüben, damit „alle gefährlichen Hochhaus-Projekte gänzlich aufgegeben werden".

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