Wiener Zeitung
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13.7.2006
Nach grünem Licht für 60-Meter-Turm bei Schönbrunn werden weitere Anti-Hochhaus-Maßnahmen verlangt
Unesco will strengeres Turm-Konzept
  • Wien soll Richtlinien überarbeiten
  • Keine Projekte in Welterbe-Nähe
Von Christian Mayr
VergleichWien - Am Mittwoch konnte sich Planungsstadtrat Rudolf Schicker noch freuen: Die Unesco hatte auf ihrer 30. Welterbe-Konferenz in Vilnius (Litauen) grünes Licht für einen 60 statt 120 Meter hohen Turm auf den Komet-Gründen (Meidlinger Hauptstraße/Rechte Wienzeile) gegeben. Was die Stadt in ihrer Erklärung nicht mitteilte: Die Unesco fordert zugleich eine dringliche Überprüfung des Wiener Hochhauskonzeptes.
Wilfried Lipp, Österreich-Chef des für Fachfragen zuständigen Unesco-Rates Icomos, bestätigt gegenüber der "Wiener Zeitung" die Kritik: "Das Komitee hat urgiert, dass es zu einer Überarbeitung des Konzeptes kommen soll. Und zwar dahingehend, dass derartige Projekte in der Nähe von Welterbe-Zonen nicht mehr möglich sind", sagt Lipp.
Wer die Sprache der Unesco versteht, weiß, dass diese diplomatische Äußerung als Warnung aufzufassen ist. Das meint auch Lipp, der nun wieder die Stadt Wien am Zug sieht.
Zur Erinnerung: Auch bei den Hochhaus-Türmen des Wien-Mitte-Projekts hat die Unesco lange Zeit nur gebeten, die Pläne zu "überprüfen"; erst als die Stadt zu keinen Änderungen bereit war, kam die offene Drohung, den Welterbe-Status erstmalig abzuerkennen.
Das Wiener Hochhauskonzept stand bereits 2002 beim Beschluss in der Kritik von Experten und Opposition: Denn praktisch änderten die neuen Richtlinien nichts – weiterhin kann fast überall ein Turm entstehen. Es sind nur gewisse Ausschlussgründe (keine U-Bahn, Störung von Sichtachsen) festgehalten, die jedoch von Fall zu Fall außer Kraft gesetzt werden können. Der Komet-Turm mit 120 Metern war vor zwei Jahren für das Rathaus sehr wohl Stadtbild-verträglich.
Schicker war am Donnerstag für keine Stellungnahme erreichbar; der Ex-Planungsdirektor und Welterbe-Beauftragte Arnold Klotz spricht nur von einer "Unesco-Empfehlung" und einer "normalen Evaluierung" des Konzepts. Nach dem Turm-Aus bei Wien-Mitte sei das Verhältnis zur Unesco nun ohnedies wieder das beste: "Wien gilt allen als Musterbeispiel."
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